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25. Mai 2002 HANDWERK special 87
Wenn auf dem Mendiger Flughafen die Triebwerke der Hubschrauber starten, kann man das Geräusch in seiner Halle hören. Wenn hier alles aus ist. Wenn die eigenen Boliden ihre Triebwerke starten, ist jedes Gespräch beendet, sind die Hubschrauber auch nicht mehr ganz so sensationell, schlägt das Herz im Viertakt. Dann gehören alle Sinne einer britischen Edelautomarke und deren flotten Flitzern, die hier von Handwerkern um Chef Daniel Koblitschek noch etwas flotter gemacht werden.
"Ich habe mir eigentlich die meisten Träume bereits erfüllt" Die beeindruckende Antwort eines 27-Jährigen, der als Jungunternehmer nach seinen Berufszielen für die nächsten Jahre befragt wird. 1996 gründete Daniel Koblitschek seine Firma Komo-Tec, die sich auf den Rennsporteinsatz von modernsten Flitzern und Oldtimern des britischen Autobauers Lotus spezialisiert hat. Was ohnehin weltweit einen erstklassigen Ruf genießt, machen die Mendiger noch ein bisschen besser, schöner, schneller. Und weil Qualität im Automobilhandwerk spätestens auf der Rennstrecke halten muss, was sie verspricht, gehen die Mendiger in zwei Rennserien an den Start.
PS-Gene
Die Verbindung aus erstklassiger Handwerksarbeit zwischen Getriebe, Motor und dem Chassis, dem Renneinsatz sowie dem Unternehmertum kommt nicht von ungefähr: Der Name Koblitschek verbindet sich seit Jahrzehnten mit der Liebe zu schnellen Wagen. "Mein Vater Heinz arbeitete seinerzeit im deutschen Formel-1-Team Eifelland, später bei Zakspeed - auch bei mir ist deshalb eine gewisse Schädigung zu spüren....", sieht der Junior-Chef das Ursache-
Wirkung-Prinzip seines Berufs. Natürlich war er von klein auf in der Boxengasse dabei, natürlich ist er selber Rennen gefahren, natürlich ist er irgendwann "vernünftig" geworden und hat die Frage nach der Nutzbarmachung dieses Potenzials mit der Gründung eines eigenen Unternehmens beantwortet, in dem der Vater als Diplom-Ingenieur für Fahrzeugbau heute Betriebsleiter ist.
Europas Nummer 1
Mit der Spezialisierung auf einen "absoluten Nischenbereich" begründet der junge Unternehmer seinen Erfolg: "Wir haben quasi unseren eigenen Markt kreiert, haben auf dem europäischen Festland beim Tuning für einige Lotus-Typen keine Mitbewerber". Die Folge: Von einer Wirtschaftskrise haben die Mendiger - im Unternehmen arbeiten zwei weitere Kfz-Techniker - nichts mitbekommen, mit hoher Qualität haben sie sich eine hohe Kundenzufriedenheit erarbeitet. "Unsere Erfahrungen im Rennsport bieten wir auch "zivilen" Kunden und ihren Straßenfahrzeugen." Entwicklungen aus dem Handwerksunternehmen für ganz Europa sind die Folge, "alles auch TÜV-zugelassen". So schnell seine Rennwagen sind, die unter anderem im Langstreckenpokal auf der Nordschleife mitfahren, so "kurios" erscheinen manche Erläuterungen des Kapitels Rennsport: "Kein Lotus-Fahrer würde seinen Wagen in einer Porsche-Werkstatt abgeben. Die Markenidentifikation schließt mit ein, das Fahrzeug nur dort abzugeben, wo man ausschließlich für die Marke da ist." Und weil Koblitschek Tag und Nacht für diese Wagen lebt, denkt und arbeitet, kommen Kunden aus Holland, der Schweiz, Belgien.... - eben aus aller Herren Länder nach Mendig, um sich Edelstahlkolben, neue Pleuel oder eine Auspuffanlage "made by Koblitschek" von geübter Hand unter die Haube bringen zu lassen.
Schließlich äußert Daniel Koblitschek dann doch noch einen Traum, den er sich und seinem Unternehmen erfüllen möchte: den Start beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife. Und dass er mal irgendwann so viel im Monat verdient wie seine Mitarbeiter. "Ich stecke jeden Euro, der übrig bleibt, lieber in die Firma als auf das eigene Konto." Gute Voraussetzung, um auch in den kommenden Jahren um einen wirtschaftlichen Spitzenplatz mitfahren zu können.
© 2002 Handwerkskammer Koblenz.