Sonntag:
Alle Gebete wurden erhört, Petrus zeigte sich endlich einsichtig! Am Sonntag schien die Sonne und rechtzeitig zum 100 Meilen Qualifying war die Strecke trocken.
FORTSETZUNG:
Die kühle Morgenluft gab den Motoren noch ein paar extra PS. Und weil obendrein kein Gegenwind mehr den Vortrieb auf der extrem langen Start/Ziel-Geraden hinderte waren auf einmal knapp 250 km/h vor dem Bremspunkt für die ansonsten nicht so Highspeed-tauglichen 2 Liter Prototypes drin. Aber gegen die Porsche Cup Fahrzeuge ist auf der Geraden kein Kraut gewachsen! Das Interessante beim 100 Meilen Rennen sind ja die verschiedenen Klassen und Autotypen. Neben zahlreichen Lotus Exigen, 2-11s und Caterhams fahren dort sehr viele Porsche Cup Fahrzeuge sowie Prototyps (Norma, PRC, Liegier, Radical, etc.) mit. So machen die Prototyps Ihre Zeit in den Kurven, während sie meist auf den Gerade von den Porsche wieder eingeholt werden. Durch die in der Relation langsameren Lotusfahrzeuge finden während des Rennens sehr viele Überrundungen statt. Das bringt einige interessante Situation mit sich: So kam es beim 100 Meilen Rennen unter anderem zu der Situation, dass sich der zu dem Zeitpunkt führende Thorsten Rüffer im Komotec Norma gegen den direkt hinter ihm befindlichen Neliubsys Mindaugaus im Radical SR 5 zu Wehr setzen musste. Gleichzeitig liefen beide zur Überrundung auf 2 kämpfende Porsche Cup Fahrzeuge auf, die wiederum Ihrerseits 2 kämpfende Exigen zu überholen versuchten. Vor lauter blauen Flaggen wissen die Fahrer meist nicht wer gemeint ist und so kann auch mal schnell der Hintermann geschickt die Situation ausnutzen und ein Plätzchen dazu gewinnen!
Aber zurück zum Qualifying des 100 Meilen Rennens:
Hier hatten die Sportwagen (Prototypes) die Nase vorn! Die ersten 6 Plätze gingen an die flachen Flundern: Die Pole sicherte sich der Franzose Christophe Baillet auf Norma Honda mit einer Super Zeit: 1:18,678 min !!!
Dahinter auf Platz 2 Thorsten Rüffer auf Norma Honda mit 1:20,211 min, gefolgt vom Littauer Neliubsys Mindaugaus auf Radical SR 5 mit 1:20,883 min. Dahinter platzierten sich Siegmar Pfeiffer, Mirco Schultis/Mitch Mitländer und Norbert Groer (alle auf PRC Honda). Der schnellste Porsche auf Platz 7 ist der von Dieter Pladwig und Fredy Barth mit 1:22.696 min. Der schnellste Lotus 2-11 war der vom Belgier Thierry Verhiest mit 1:29,545 min auf Gesamtrang 18.
Das Rennen:
Kurz nach Mittag flog das Feld im fliegenden Start auf die erste Kurve zu. Wie erwartet überholten einige Porsche die Prototypes noch vor der ersten Kurve und so mussten diese sich erst im Kurvengeschlängel Ihre Plätze wieder zurück erobern. Christophe Baillet und Thorsten Rüffer kamen hingegen ungestört in die erste Kurve und fuhren sich so gleich ein kleines Polster heraus. Neliubsys Mindaugaus konnte sich in seinem Radical am schnellsten von den Porsche freifahren und holte nun mit großen Schritten die verlorende Zeit wieder auf. Thorsten Rüffer versuchte dem Vorjahresgewinner Christophe Baillet ganz vorne zu folgen. Dieser setzte sich jedoch pro Runde mit 1 Sekunde nach und nach ab. Und von hinten schoß nun der Radical heran und machte von nun an dem Komotec Fahrer das Leben schwer. Jetzt begann eine fast 70min Hetzjagd des schwarzen Radicals auf den knallblauen Komotec Norma. Man schenkte sich nichts, es wurde gekämpft was das Zeugs hielt. In der Kurvenkombi nach der Start/Ziel kam der Radical bis auf 1 Meter fast jedes Mal an den Norma heran. Dieser konnte sich in den folgenden engeren Kurven sowie in der Highspeed-Parabolique wieder von seinem unermüdlichen Verfolger absetzen. Nach 13 Runden fiel der souverän in Führung liegende Franzose mit seinem Norma leider aus und Thorsten Rüffer erbte die Führungsrolle. Dieser hoffte inzwischen auf Fahrerwechsel und frühen Boxenstop des Radicals und zögerte seinen Stop bis in die letzte Minute heraus. Vergebens, es kamen beide gleichzeitig in die Box und der Radical Fahrer wurde auch nicht ausgewechselt! Jetzt war klar – der Norma muss zuerst wieder raus, sonst ist der Platz vielleicht verloren. Komotec schickte seinen Fahrer als erstes vor zur Boxenausfahrtlinie, leider wurde die 3 Sekunden früher als geplant erreicht, wie sich später aber erst herausstellen sollte. Die Boxenstoppflicht von mindestens 5 min wurde so leider leicht unterschritten. Im Übereifer kann so was dann auch mal schief gehen.
So ging es nach dem Boxenstop in die letzten 25 min des Rennens. Während Thorsten Rüffer etwas Zeit in der Lap Out Runde verschenkte konnte Neliubsys Mindaugaus direkt wieder aufschließen. Jetzt war Schluss mit Lustig und der Litauer zeigte allen warum er der führende SR 5 beim aktuellen Radical Europa Cup ist (Inzwischen ist er Europameister in der Radical SR 5 Klasse geworden, Herzlichen Glückwunsch!). Wenige Runden später folgte das oben bereits erwähnte Mehrfach-Überrundungsmannöver. Neliubsys Mindaugaus schlängelte sich geschickt an allen vorbei während Thorsten Rüffer seine liebe Mühe hatte und zunächst im Verkehr stecken blieb. Das brachte dem Radical nun die Führung und gleich noch 2 Sekunden Vorsprung ein. Dieser hielt jedoch nur wenige Runden an, zu schnell war der Norma im Windschatten auf der langen Gerade. Doch der Litauer wusste sich zu verteidigen und machte die Fahrbahn zu. So scheiterten 2 Überholversuche und es sah alles nach einem Sieg des Radicals aus. Doch in der vorletzten Runde legte sich der Verfolger seinen Vordermann geschickt zurecht, lies diesen auf ein zu überundendes Fahrzeug auflaufen und so flog man nebeneinander auf die nächste Kurve zu wo der innenfahrende Norma die besseren Karten hatte. Thorsten Rüffer eroberte sich die Führung zurück und überquerte die Ziellinie als Erster, 1 Sekunde vor dem Radical! Inzwischen wurden aber die Strafsekunden für das zu frühe Herausfahren ausgesprochen und so fiel man wieder auf Platz 2 zurück. Neliubsys Mindaugaus freute sich und nahm das Plätzchen ganz oben auf dem Siegertreppchen ein. Platz 2 also ging an Thorsten Rüffer vom Team Komotec. Platz 3 mit 1 Runde Rückstand ging an Siegmar Pfeiffer. (Dieser bestritt übrigens erst sein zweites 100 Meilen Rennen – eine tolle Leistung!) Der schnellste Porsche fand sich auf Platz 5 wieder mit Jürgen Bender und Martin Dechent (2 Runden Rückstand). Der schnellste Lotus 2-11 landete auf Platz 15 mit Thierry Verhiest (6 Runden Rückstand). Herzlichen Glückwunsch!
Durch den 2. Gesamtrang konnte das Team Komotec mit Thorsten Rüffer nun die Führung in der Meisterschaft ausweiten. Doch es bleibt spannend, Vorjahresmeister Jürgen Bender liegt dicht dahinter, ebenso der Belgier Thierry Verhiest. Beide haben in Ihrer Klasse mächtig Punkte gesammelt und konnten so in der Meisterschaft wertvolle Plätze hinzugewinnen. Wer am Ende die Nase vorne haben wird werden uns die letzten beiden Rennen in Monza und Hockenheim zeigen. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Erfolg!